# Unser pragmatischer Umgang mit Low-Code-Plattformen > Low Code bei der FI-SP: Markus und Gerd erklären, wie sie mit Webcon BPS Geschäftsprozesse in der Finanzwirtschaft sicher und effizient automatisieren. ## Unser pragmatischer Umgang mit Low-Code-Plattformen Liest man die Schlagzeilen der IT-Medien, scheint Low Code die Gemüter der IT-Community zu spalten: Bei aller Faszination für die Einfachheit und Geschwindigkeit gibt es auch Sorgen vor Kontrollverlust, Schatten-IT und Chaos. Diese Sorgen sind unbegründet, wenn Low-Code-Entwicklung richtig angegangen wird. Im Team der Lösungsfinder nutzen wir neben klassischen Workflow-Lösungen wie Camunda und Jira auch Low-Code-Plattformen, um komplexe Geschäftsprozesse professionell zu gestalten. Auf dieser Basis setzen wir aktuell intern fachliche Anwendungen regulationskonform um. Und das in einer Geschwindigkeit, von der klassische Coderinnen und Coder nur träumen können. Im Interview mit der Solutions-World-Redaktion erzählen die beiden Lösungsfinder Markus und Gerd, wie Low Code in manchen Fällen den Alltag in der Softwareentwicklung bereichert. **Das Team der Lösungsfinder codet aus Leidenschaft. Low Code hat in der Entwicklercommunity nicht immer einen guten Ruf. Wie kam es dazu, dass ihr euch trotzdem mit dem Thema befasst habt?** **Gerd:** Das stimmt, wir lieben das Entwickeln von Software und einen guten Code. Aber so schlimm wie früher ist der Ruf von Low Code gar nicht mehr. Die Community geht das Thema eher pragmatisch an. Manche sehen darin sogar ein wertvolles Werkzeug zur Abstraktion und Effizienzsteigerung. So sehen wir das im Übrigen auch, seitdem wir uns intensiver mit Low Code befassen. Für uns steht im Vordergrund, Lösungen zu entwickeln, mit denen Finanzdienstleister ihr Geschäft digital und einfach gestalten können. Ob wir dabei hart codieren oder No-Code- bzw. Low-Code-Tools einsetzen, ergibt sich aus dem Kontext. Zu Low Code kamen wir, als wir in einem internen Projekt unterschiedlichste Prozesse automatisiert haben wollten. Und zwar flexibel, schnell und regulationskonform. Dabei waren auch ziemlich komplexe Prozesse, die Daten von anderen Anwendungen benötigten, auf anderen Prozessen aufsetzten bzw. weitere Prozesse initiierten und nicht mal eben programmiert sowie getestet werden konnten. Bei diesen Anforderungen kamen wir mit unseren damaligen Lösungsansätzen nicht weiter und mussten neue Wege finden. **Markus:** Als wir uns mit Low-Code-Plattformen intensiver befasst haben, lag unser Fokus immer darauf, wie wir komplexe Prozesse regulationskonform gestalten können. Interessant war, dass unsere Kunden Low Code schon auf dem Radar hatten, insbesondere die Fachbereiche jenseits der IT. Da gab es auch durchaus die Vorstellung, dass sie das Automatisieren von Geschäftsprozessen mit Low-Code-Plattformen selbst in die Hand nehmen könnten. Da wir uns intern mit Low Code befassen, haben wir das Gespräch gesucht. Dabei kamen wir immer wieder an den Punkt, dass es in einigen Fällen besser ist, wenn die IT das übernimmt, weil z.B. Schnittstellen anzubinden oder Erweiterungen zu programmieren sind. **Wie haben die Fachbereiche auf diese Erkenntnis reagiert?** **Markus:** Sehr offen. Denn wenn es bei IT-Lösungen um die Verantwortung für die Konsistenz, Sicherheit und Compliance geht, ist professionelle Hilfe erwünscht. Gerade die Regulierung stellt im Bankenumfeld hohe Anforderungen an die Compliance. Also beispielsweise an die Nachvollziehbarkeit von Nutzerzugriffen, Datenabrufen, Änderungshistorien etc. Diese müssen in jeder unserer Anwendungen dokumentiert werden können. Wir haben gute Gründe für unsere Sicherheits- und Entwicklungsprinzipien, die wir auch auf Low-Code-Plattformen anwenden. Dazu gehört etwa, dass alle unsere Lösungen permanent überwacht, gesichert und gehärtet werden. Unter diesen Aspekten hatten wir seinerzeit übrigens auch für das interne Projekt verschiedene Plattformen betrachtet und getestet. Letztlich haben wir mit Webcon BPS eine sehr taugliche Low-Code-Plattform gefunden, mit der wir jetzt Anwendungen realisieren. **Was sagt ihr denen, die immer noch sagen, dass Low Code kein Programmieren, sondern nur „zusammenklicken“ ist?** **Gerd:** Es stimmt, dass neue Prozesse mit den visuellen Werkzeugen ganz schnell zusammengeklickt werden können. Aber das ist nur der eine Teil der Wahrheit. Der andere, anspruchsvolle Teil der Wahrheit ist: Wenn du beim Modellieren auch Gesamtzusammenhänge, Benutzerrollen, Datenflüsse und Architektur berücksichtigen musst, kommst du mit schnellem Klicken nicht weit. Da musst du wissen, was du machst und welche Best Practices dich weiterbringen. Hier sind klassische Programmiertugenden gefragt. **Markus:** Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen: Wenn du Anwendungen für die Finanzwirtschaft erstellen möchtest, musst du die in Frage kommenden Plattformen wirklich verstehen. Am Anfang einer Prozessautomatisierung steht die Frage nach der geeigneten Umsetzung. In einigen Fällen sind klassische Workflow-Lösungen wie Camunda und Jira einfach die bessere Wahl. **Gerd:** Deswegen gehören Beratung und Konzeption von Anwendungen auch zu den wesentlichen Aufgaben, die wir leisten müssen. Der Weg von der Idee zur Lösung bleibt schnell und flexibel, wenn die Plattformwahl richtig getroffen wird. **Gibt es spezifische Einsatzgebiete für die Low-Code-Entwicklung?** **Markus:** So pauschal kann man das nicht beantworten. Grundsätzlich bietet die Plattform allen Fachbereichen von Finanzdienstleistern Möglichkeiten, ihre Ideen zu digitalisieren. Daher ist es wichtig, die Anforderungen zu analysieren und zu klären, welche Geschäftsprozesse dafür zu digitalisieren sind. Wenn wir eine Low-Code-Plattform als Lösungsoption ansehen, dann beziehen wir in unsere Überlegungen immer auch vorhandene Anwendungen und Schnittstellen mit ein. So können wir komplette, funktionsfähige Anwendungen zum Beispiel für Angebotserstellung und Auftragsmanagement oder zur Rezertifizierung etc. gestalten, die vollständig in die existierende IT-Landschaft integriert sind. **Gerd:** Wir setzen, wie gesagt, Low Code aktuell intern ein. Die Plattform hilft uns beispielsweise auch im laufenden Betrieb. Wenn wir im Application Management Prozesse anpassen müssen, geht das echt schnell und flexibel. Insbesondere, wenn sich gesetzliche oder regulatorische Anforderungen ändern, ist das ein großer Vorteil. Da sind wir sehr effizient. **Wo viel Sonne ist, gibt es sicher auch Schatten. Wo liegen die größten Herausforderungen in eurer Arbeit?** **Gerd:** Die größte Herausforderung ist gleichzeitig auch unsere Stärke: Wir müssen die Anforderungen aus dem Business richtig verstehen. Gerade bei Themen aus der Finanzbranche kann das sehr komplex sein. Es ist einiges zu berücksichtigen, weil vieles miteinander zusammenhängt. Auch sind Prozesse manchmal historisch gewachsen. Wir bringen uns voll ein und denken mit, um nicht aus einem schlechten Prozess einen schlechten digitalisierten Prozess zu machen. Dazu haben wir im Team der Lösungsfinder die notwendige bankfachliche Expertise. Aber klar ist auch: Geschäftsprozessoptimierungen können wir nur gemeinsam mit dem Kunden im Rahmen der Digitalisierung eines Prozesses umsetzen. **Wenn jetzt jemand das Interview liest und sich bei uns bewerben möchte, weil er das Themengebiet spannend findet. Was würdet ihr diesem Menschen mit auf den Weg geben?** **Markus (lacht):** Das ist immer eine Frage, bei der man aufpassen muss, nicht belehrend zu wirken. Aber ich finde, die Geschichte, wie wir zur Low-Code-Plattform gekommen sind, zeigt, was es ausmacht, im Team der Lösungsfinder zu arbeiten: Wir hatten eine Herausforderung, die wir mit herkömmlichen Mitteln nicht lösen konnten und waren aufgeschlossen, neue Wege zu gehen. Daher würde ich allen, die sich für die FI-SP interessieren, mitgeben: Zeigt euch gerne von euren neugierigen Seiten. Offenheit für neue Wege hilft immer, wenn man irgendwo anfangen möchte. Bei uns braucht man zum Beispiel Offenheit für die Themen aus der Finanzwirtschaft. Im Team der Lösungsfinder digitalisieren wir das Banking in der Sparkassen-Finanzgruppe. Da gibt es kaum eine Aufgabe, in der man nicht mit bankfachlichen Fragestellungen in Berührung kommt. Das gilt nicht nur für unseren Low-Code-Ansatz, sondern für alle Bereiche des Programmierens. **Gerd:** Den Leserinnen und Lesern, die sich ausschließlich für das Low-Code-Modellieren interessieren, sollten wir der Ehrlichkeit halber aber auch sagen, dass Geschäftsprozessmodellierung nur einen recht kleinen Teil unserer Arbeit im Team der Lösungsfinder ausmacht. Und das machen wir nicht nur mit Low Code, sondern auch ganz klassisch. Was uns aber alle eint, ist die Freude am methodischen Arbeiten im Team mit innovativen Technologien und Ansätzen. Hier kommt man mit vielen Themen und Technologien in Berührung, kann Neues lernen und sich weiterentwickeln. Gerade das macht es aus, Lösungsfinderin bzw. Lösungsfinder zu sein. *Autoren: Gerd & Markus*